Header Stadtmission Heidelberg
Header Stadtmission Heidelberg

Kolorektales Karzinom

Das kolorektale Karzinom stellt das zweithäufigste Karzinom bei Mann und Frau dar und tritt meist zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr auf. Die ersten Symptome sind unspezifisch, häufig peranale Blutabgänge sowie Unregelmäßigkeiten oder Veränderungen beim Stuhlgang. Diagnostiziert wird es mittels Darmspiegelung (Koloskopie) und Entnahme von Gewebeproben. Im Falle der Unpassierbarkeit des Tumors durch das Endoskop ist eine Röntgenuntersuchung des Dickdarmes durch einen Einlauf mit Kontrastmittel möglich. 

Therapie
Die Therapie der Wahl des kolorektalen Karzinoms ist die aggressive chirurgische Entfernung des Tumors mitsamt den anführenden Lymphbahnen und Lymphknoten. Das exakte Operationsverfahren hängt von der Ausdehnung und Lokalisation des Tumors ab. Dies wird durch klar standardisierte onkologische Operationen, wie die Hemikolektomie (links, rechts, Transversumresektion) im Falle von Kolonkarzinomen realisiert.

 

 

Bei Rektumkarzinomen erfolgt die Rektumresektion mit Entfernung der umgebenden Lymph- und Gefäßbahnen (totale mesorektale Exzision, TME).
 
Im letzteren Falle wird das Mesorektum, welches als geschlossenes Kompartment dem Rektum zugehörige Lymph- und Blutgefäße enthält, unter Schonung des Nerven-Plexus zu Blase und äußeren Geschlechtsorganen komplett entfernt. Eine zarte Separationsschicht dient als Leitschiene zwischen Mesorektum und Beckenstrukturen. Hierdurch lassen sich Blasen- und Sexualfunktionsstörungen deutlich vermindern.    

Aufgrund der TME ist die kontinenzerhaltende Operation (Schließmuskelerhalt) immer häufiger möglich. Zum Schutze der Nahtverbindung im unteren Rektumdrittel ist die Anlage eines zeitweiligen künstlichen Darmausgangs (protektives Stoma) oft sinnvoll. Dieser Ausgang kann in der Regel nach 3 Monaten zurückverlegt werden. Ist der Abstand zum Schließmuskel jedoch zu gering, muss auch der Schließmuskel mitentfernt werden (Abdominoperineale Rektumextirpation / Rektumamputation). Hier dürfen keine onkologischen Kompromisse gemacht werden.

Bei Rektumkarzinomen des mittleren und unteren Drittels ist die Bildung eines Mastdarmersatzreservoirs aus Dickdarm (Pouch) zur Stuhleindickun sinnvoll. Zur verfügung stehen zum einen der Kolon J-Pouch (CJP) oder der Transverse Coloplasty Pouch (TCP), die beide verbesserte funktionelle Ergebnisse gegenüber der geraden coloanalen Anastomose erbracht haben.


 

 

Multimodale Therapien

Die Qualität der Erstoperation beim Kolon- und Rektumkarzinom entscheidet in allen Lokalisationen entscheidend über die Langzeit-Ergebnisse. Es muss äußerst sorgfältig vorgegangen werden, damit die Tumoren unter ausreichender Mitentfernung der regionalen Lymphbahnen und ohne Kontamination bzw. Verstreuung von Tumorzellen entfernt werden. Bei Tumoren in der Nähe des Schließmuskels kann in sehr erfahrenen Zentren heute in vielen Fällen doch noch der Erhalt des Muskels realisiert werden. Hierzu sind jedoch gut geplante Zusatz-Therapien, meist Bestrahlungstherapien erforderlich. Es ist eine enge Zusammenarbeit mit Strahlentherapeuten und internistischen Onkologen erforderlich (multimodale Therapie).

Durch die Lage im kleinen Becken kann das Rektumkarzinom rasch in andere Organe oder Strukturen einbrechen wie z.B. die Blase, die Prostata oder das Steißbein. Auch im Falle einer solchen Infiltration ist wie bei sehr tief sitzenden Karzinomen in der Nähe des Schließmuskels ein multimodales Therapiekonzept ratsam. Dadurch kann die Chance einer kurativen Operation deutlich erhöht werden. Besteht der Verdacht auf eine Lymphknotenbeteiligung bzw. einen Tumordurchbruch der Darmwand, so ist die Durchführung einer Strahlentherapie vor der Operation, z.B. nach einem Kurzzeitschema (5x5 Gy über eine Woche) geeignet, die Häufigkeit von Lokalrezidiven (Wiederauftreten der Erkrankung) deutlich zu senken.