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Häufige und typische Krankheitsbilder

Patienteninformation / Urologische Leitlinien

Auf dieser Seite möchten wir Sie gerne über häufige und typische urologische Krankheitsbilder informieren. Die hier dargestellten Informationen orientieren sich an den urologischen Leitlinien. Wir haben versucht den Text möglichst ohne medizinische Fachbegriffe zu formulieren. Um Ihnen dennoch eine "urologische" Orientierung zu ermöglichen, finden Sie in eckigen Klammern [] die zugehörigen medizinischen Fachbegriffe und Erläuterungen. Natürlich kann Ihnen diese Seite nur eine begrenzte Übersicht der medizinisch-komplexen Zusammenhänge bieten.
Das Ziel dieser Seite liegt aber vielmehr darin, Ihnen zu erklären welche Untersuchungen bei welcher Erkrankung sinnvoll oder notwendig sind und welche verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten wir Ihnen anbieten können. Es werden hier Vor- und Nachteile und natürlich auch Risiken der verschiedenen Behandlungsverfahren aufgezeigt. Nicht für jeden Patient kommt, in Abhängigkeit der Untersuchungsergebnisse, der Krankheitssymptome und der Begleiterkrankungen, jedes Behandlungsverfahren in Betracht. An dieser Stelle möchten wir Ihnen mit daher mit den folgenden Themen einen kleinen Überblick liefern.

Das Lesen dieser Informationsseite kann natürlich nicht das Aufsuchen bzw. die persönliche Beratung eines Urologen ersetzen!

Die Informationen dieser Seite basieren im wesentlichen auf den Leitlinien der AWMF und EAU, sowie auf unseren persönlichen Erfahrungen in der Klinikpraxis.

Hier finden Sie die Leitlinien der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) mit weiteren Informationen für Patienten und Ärzte.

Hier finden Sie die Leitlinien der EAU (European Association of Urology). Diese Quelle ist allerdings nur in englisch verfügbar und mehr an den Urologen gerichtet.

Gutartiges Prostataleiden [Benignes Prostatasyndrom/BPS, früher auch benigne Prostatahyperplasie/BPH]

Beschreibung
Eine Hauptaufgabe der Prostatadrüse ist die Produktion der Spermaflüssigkeit [die Spermien gelangen über die Samenleiter von beiden Hoden hinzu und werden gemeinsam, in den Samenblasen beidseits hinter der Prostata gelegen, gespeichert]. Die Beschwerden beim Prostataleiden wie z.B. schlechter Harnstrahl, Restharngefühl und vermehrter Harndrang lassen sich oft auf Veränderungen der Prostata zurückführen. Da die Größe bzw. Vergrößerung der Prostata (auch Vorsteherdrüse genannt) keinen direkten Zusammenhang mit dem Ausmaß der Beschwerden zeigt, wurde der Begriff "Prostatahyperplasie" (=Prostatavergrößerung) als wegweisende Diagnose wieder verlassen. Es stehen individuell, verschiedene Beschwerden im Vordergrund, eben häufig auch ohne wesentliche Prostatavergrößerung. Es können auch bei normalgroßer Prostata gutartige Veränderungen bis hin zum Harnverhalt führen. Ursache können z.B. langanhaltende Entzündungen sein. Daher sprechen wir Urologen heute von einem Prostatasyndrom als zusammenfassende Bezeichnung der vielen unterschiedlichen Symptome.

GNU_Free_Documentation_License, 2006-07-13, Quelle Original: Image:Male anatomy.png Übersetzung: Lennert B, Urheber Lennert B

Wichtig ist die Unterscheidung in einerseits obstruktive Symptome, also Beschwerden die durch eine Einengung der Harnröhre im Prostataabschnitt bedingt sind. Dazu zählen z.B. Harnstrahlabschwächung, Restharnbildung, Mitpressen und Startschwierigkeiten beim Wasserlassen.
Andererseits gibt es irritative Symptome, also Beschwerden die durch Reizausstrahlung z.B. in die Harnblasenentleerung eingreifen. Häufig liegen hier auch schon anatomische Veränderungen vor, wie z.B. die typische Blasenwandverdickung. Durch diese Veränderungen wird die Harnspeicherfunktion der Harnblase zum Teil erheblich gestört. Es kommt z.B. zu gehäuftem Harndrang, vermehrtem nächtlichen Wasserlassen, Schmerzen im Beckenbodenbereich, manchmal sogar zum unkontrollierten Harnabgang [Dranginkontinenz].

Häufigkeit Die Häufigkeit nimmt mit dem Alter zu. Bei den über 50-jährigen Männern leiden in Deutschland über 40% an behandlungsbedürftigen Prostatabeschwerden. Eine messbare Vergrößerung der Prostata in dieser Altersgruppe (Prostatavolumen größer als 25 ccm) zeigt sich jedoch nur bei ca. 27% dieser Patienten.

Untersuchungen

  1. Zu den grundlegenden Untersuchungen gehört natürlich die genaue Erfassung der Krankheitssymptome und Begleiterkrankungen [Anamnese].
  2. Die Beschwerden sollten möglichst genau in ihrer Intensität und Häufigkeit des Auftretens erfasst werden. Eine gute Hilfe bietet hierbei der standardisierte Fragebogen "IPSS" (Im Internet leicht unter "IPSS Fragebogen" zu finden). Hier werden die sieben häufigsten Beschwerden beim Wasserlassen [Miktionsbeschwerden] nach Noten 0-5 bewertet. Entsprechend dem Gesamtergebnis (0-35 Punkte) kann der behandelnde Arzt die Beeinträchtigung durch die Beschwerden besser abschätzen. Werte bis 7 gelten hierbei noch als in Ordnung (ab dem 45. LJ sollte hier einmal jährlich die Krebsvorsorge erfolgen), bei Werten von 8-19 liegt in vielen Fällen eine Prostataerkrankung zu Grunde, bei Werten ab 20 sind die Beschwerden als schwer einzuordnen; in beiden Fällen sollte hier eine kurzfristige Vorstellung beim Urologen erfolgen und ggf. eine Behandlung erfolgen. Weiterhin wird auch die Beeinträchtigung der Lebensqualität im Rahmen des Fragebogens erfasst.
  3. Teilweise können Beschwerdeursachen vom Arzt bereits bei einer körperlichen Untersuchung und dem Abtasten der Prostata [digitorektale Untersuchung/DRU] festgestellt werden. Die Tastuntersuchung wird von den meisten Patienten nicht als belastend empfunden, Schmerzen treten nur selten auf; z.B. bei akut-entzündlichen Veränderungen der Prostata oder extrem engem After.
  4. Wichtig ist auch die Urinuntersuchung mittels Teststäbchen-Schnelltest und/oder insbesondere bei Auffälligkeiten mittels Mikroskopie. Hiermit lassen sich z.B Infektionen und Blut im Urin feststellen.
  5. In vielen Fällen wird ihr Urologe einen Blutwert, den sogenannten PSA-Wert, bestimmen. Dieses "PSA-Protein" ist Prostatagewebe-spezifisch, das bedeutet es wird nur von Prostatazellen produziert [Das PSA ist ein Glykopeptid, gebildet von Prostataepithelzellen und dient als Enzym der Verflüssigung des Spermas]. Bei gesteigertem Gewebestoffwechsel, also z.B. Entzündungen, aber auch bei Prostatakrebs kann dieser Wert erhöht sein. Einen echten "Grenzwert" gibt es allerdings nicht. Der zeitliche Verlauf des PSA-Wertes und die restlichen Untersuchungsbefunde, erlauben es aber dem Urologen, den Wert besser einordnen zu können.
  6. Mit ausreichend gefüllter Harnblase (möglichst mehr als 150-200ml) kann der Urologe den Harnstrahl als Kurve messen und aufzeichen. Es gibt dafür eine spezielle "Trichter-Toilette". Das Verfahren nennt sich Harnflussmessung [Uroflowmetrie]. Diese Untersuchung eignet sich vor allem als Verlaufskontrolle vor, während oder nach einer Therapie der Prostatabeschwerden.
  7. Sehr wichtig ist auch die Ultraschallkontrolle der Blase, der Prostata und der Nieren. Hier können z.B. erhöhte Resturinmengen, Blasensteine, ein verdickter Blasenmuskel oder Harntransportstörungen der Nieren festgestellt werden. Die Ultraschallmessung der Prostata sollte möglichst über den After durchgeführt werden [Transrektaler Ultraschall/TRUS], nur so ist eine verlässliche Messung des Prostatavolumens möglich. Auch Auffälligkeiten innerhalb des Prostatagewebes lassen sich so wesentlich besser erkennen.
  8. Häufig werden einige Blutwerte bestimmt, z.B. der Serumkreatinin-Wert zur Beurteilung der Nierenfunktion.

Sollten die o.g. grundlegenden Untersuchungen nicht ausreichend zur Diagnosestellung sein (z.B. bei neurologischen Begleiterkrankungen wie Bandscheibenvorfall, Schlaganfall, Morbus Parkinson oder bei fraglichen Veränderungen innerhalb der Harnröhre oder Blase, etc.), wird Ihr Urologe noch weitere Untersuchungen durchführen. Wegweisend können hier Röntgenaufnahmen mit Kontrastmittel der Harnröhre, Blase und/oder der Nieren sein. Manchmal wird auch eine Blasenspiegelung oder Blasendruckmessung durchgeführt, um die Beschwerden eindeutig zuordnen zu können.

Behandlungsmöglichkeiten
Die Therapie der Prostatabeschwerden ist breit gefächert und weist ein sehr unterschiedliches Spektrum an behandlungsbedingten Nebenwirkungen bzw. Beeinträchtigungen auf. Ihr Urologe wird bei leichteren Beschwerden mit einer medikamentösen Behandlung beginnen, die Nebenwirkungen sind dabei gering, der Behandlungserfolg meist spürbar - auch wenn die organischen Ursachen nicht direkt behoben werden. Reicht eine medikamentöse Therapie nicht aus, oder liegen zwingende Gründe für eine operative Behandlung vor (s. Auflistung unten), wird Ihr Urologe Sie in aller Regel in ein Krankenhaus zur Prostata-Operation einweisen. Auch eine kontinuierliche Verschlechterung der Beschwerdesymptomatik kann ein Grund zur operativen Behandlung darstellen, um dauerhafte Schäden der Blase, der Nieren, aber auch der Blasensensibilität zu vermeiden. Droht ein Harnverhalt (das Unvermögen überhaupt Wasser lassen zu können) oder besteht eine Harndranginkontinenz (ungewollter Urinabgang mit starkem Harndrang verbunden), sollte keinesfalls die Operation verzögert werden. Die resultierenden Schäden können zu einer überdehnten, schlaffen Blase mit der Notwendigkeit einer dauerhaften Katheter-Entleerung führen. In anderen Fällen werden die übermäßigen Reizempfindungen bzw. die Harndrangbeschwerden über Jahre immer intensiver; in dieser Situation kann eine Operation diese Symptome der Nervenirritation bzw. Nervenüberaktivität nicht immer beseitigen.

Die ehrliche Kommunikation der Prostata-Beschwerden gegenüber Ihrem Urologen und die regelmäßige Verlaufskontrolle sind somit das A und O, um rechtzeitig eine geeignete Therapie einzuleiten und dauerhafte Folgeschäden zu vermeiden.

  • Zwingende Gründe für eine kurzfristige operative Behandlung der Prostataerkrankung [Absolute Operationsindikationen beim BPS]:
  • Mehrfach auftretender Harnverhalt
  • Mehrfach auftretende Harnwegsinfektionen
  • Mehrfach auftretende Blutungen der Prostata (Prostata-Krampfadern/Varizen)
  • Harnblasensteine
  • Harntransportstörung von den Nieren zur Blase hin (Harnstauungsnieren), häufig mit hohen Restharnmengen kombiniert

Kontrolliertes Zuwarten
Sind die Prostatabeschwerden noch gut erträglich und die Untersuchungsergebnisse in Ordnung (z.B. keine hohen Restharnmengen), kann zunächst durch Veränderungen des Lebensstils versucht werden, die Beschwerden zu lindern: Regulierung der Flüssigkeitszufuhr (abends weniger), Reduktion des Alkohol- und Koffeingebrauchs, Blasentraining, reichlicher Verzehr von Obst, Gemüse und Soja-Produkten, Reduktion des Fleischkonsums. Dem natürlichen Verlauf der Erkrankung entsprechend ist über die Zeit von einer langsamen Beschwerdezunahme auszugehen. Daher sollten regelmäßige fachurologische Kontrollen z.B. vierteljährlich erfolgen.

Medikamentöse Therapie
Obwohl viele Hersteller pflanzliche Präparate zur Therapie der Prostatabeschwerden anbieten, konnte in Studien noch kein sicherer Beweis erbracht werden, dass diese eine langfristige, nachweisbare Wirksamkeit besitzen. Immerhin zeigen einige Studien für beta-Sitosterol-haltige Pflanzenextrakte eine gute Verträglichkeit sowie eine Verbesserung der urologischen Symptome und des Harnstrahls. Wegen der fehlenden Studiendaten sind in Deutschland pflanzliche Präparate [Phytotherapeutika] seit 2004 über die GKV nicht mehr erstattungsfähig.

Eine nachweislich sehr rasch wirkende Medikamentengruppe (randomisierte, placebokontrollierte Studien; Wirkungseintritt innerhalb von Tagen) sind die so genannten Alpha-Blocker [Alpha-1-Adrenozeptorantagonisten]. Die vier in Deutschland zugelassenen Wirkstoffe (z.B. Tamsulosin) sind bei entsprechender Dosierung alle ähnlich gut wirksam, bei allerdings unterschiedlicher Verträglichkeit. Neuere Präparate geben den Wirkstoff verzögert frei [Retard-Tabletten] und sind somit meist besser verträglich. Zu den häufigen Nebenwirkungen zählen z.B. niedriger Blutdruck, Schwindel, Magen-/Darmstörungen, Störungen des Samenergusses (Samen gelangt teils in die Blase und wird beim Urinieren mit ausgeschieden) und Hautreaktionen (Ausschlag/Juckreiz).

Als so genannte 5-Alpha-Reduktasehemmer sind in Deutschland die Wirkstoffe Dutasterid und Finasterid verfügbar. Insbesondere Patienten mit einem Prostatavolumen von mehr als 30 ccm profitieren von einer solchen Therapie. Das Prostatavolumen nimmt um ca. 25% innerhalb eines halben Jahres ab, bei längerer Einnahme auch mehr. Mögliche Nebenwirkungen sind Abnahme der Samenmenge [Ejakulatvolumen], Reduktion des sexuellen Verlangens [Libidoverlust], Vergrößerung der männlichen Brust [Gynäkomastie] und Potenzprobleme [erektile Dysfunktion]. Die Anwendung bei jungen bzw. sexuell aktiven Patienten ist somit begrenzt. Nennenswert ist auch die therapiebedingte Halbierung des PSA-Wertes unter Einnahme eines 5-Alpha-Reduktasehemmers.

Zur Reduktion der irritativen Symptome (vermehrter Harndrang, häufiges Wasserlassen, Dranginkontinenz) können Muskarinrezeptorantagonisten (auch Anticholinergika genannt) verordnet werden. Häufige Nebenwirkungen sind allerdings Mundtrockenheit, Obstipation und Konzentrationsstörungen, abhängig vom Wirkstoff. Bei einer höhergradigen Einengung der prostatischen Harnröhre kann sich das Risiko eines Harnverhaltes etwas erhöhen, insbesondere bei höherer Dosierung innerhalb dieser Medikamentengruppe.

Die Kombination von Medikamenten aus den drei zuletzt genannten Gruppen ist in vielen Fällen durchaus sinnvoll und auch wirksamer als eine Monotherapie. Hier muss jeweils Nutzen und Nebenwirkungsspektrum gegeneinander abgewogen werden. Zudem kann es sich lohnen verschiedene Wirkstoffe zu testen, da das Ansprechen individuell sehr unterschiedlich sein kann, auch was die Ausprägung der Nebenwirkungen angeht.

Operative Therapieverfahren (Erklärung der bei uns häufiger durchgeführten Eingriffe)
Die Standard-Operation: Monopolare TUR-P / TUR-Prostata / Transurethrale Resektion der Prostata Die Abtragung von Prostatagewebe durch die Harnröhre mittels einer 4-6 mm durchmessenden Metallschlinge und eines Hochfrequenz-Stromgenerators ist seit langer Zeit etabliert und immer noch die bei weitem am häufigsten durchgeführte urologische Operation und gilt nach wie vor als Referenzverfahren (jährlich ca. 75.000 Eingriffe in Deutschland). Bei geeigneter Patientenauswahl und Verwendung moderner Resektionstechniken lassen sich hervorragende und dauerhafte Ergebnisse bei gleichzeitig niedrigen Begleitrisiken erzielen.
Die dennoch laut Literatur in knapp über 10 % auftretenden Komplikationen nach dem Eingriff, lassen sich in aller Regel sehr gut beherrschen. Dazu zählen: ein kurzfristig notwendiger zweiter Eingriff wegen störendem Restgewebe oder Nachblutungen (5,4 %), Harnwegsinfektionen die meist unkompliziert mit Antibiotika behandelt werden können (3,7%), höherer Blutverlust der eine Bluttransfusion erfordert (3,6 %) und das so genannte TUR-Syndrom - eine Verschiebung des Elektrolytgleichgewichtes mit erhöhter Flüssigkeitseinschwemmung in den Blutkreislauf durch die notwendige elektrolytfreie Spüllösung während der Operation (1,1 %). Schwere, akut lebensbedrohliche Komplikationen treten in deutlich weniger als 1 % der Fälle auf.
Der Erfolg und die Sicherheit des Verfahrens (wie bei allen anderen direkt Prostatagewebe abtragenden Techniken auch) hängt nicht zuletzt von der Expertise des Operateurs ab; der Eingriff hat eine relativ lange "Lernkurve". Je erfahrener der Operateur ist, um so mehr Gewebe lässt sich sicher abtragen. Bei uns in der Klinik sehen wir die obere Grenze dieses OP-Verfahrens bei ca. 80-90 ccm Prostatavolumen. Eindeutige Vorteile dieser Technik sind der direkte Gewebekontakt mit der Resektionsschlinge, der hohe Gewebeabtrag pro Zeit und die relativ guten Sichtbedingungen. Damit fällt es leicht, auch große Mittellappenanteile der Prostata, die weit in die Blase hineinragen können und somit dicht an den Harnleitermündungen liegen, sicher abtragen zu können. Auch die Schließmuskel-nahen Prostatagewebeanteile können mit der Schlinge äußerst genau abgetragen werde. Zudem führt die Resektionstechnik meist nur zu sehr geringen Drang- bzw. Reizsymptomen nach der Operation und bietet sich daher für Patienten mit ausgeprägter Drangsymptomatik an.

Bipolare Plasma-TUR-Prostata
Ein ganz ähnliches, sehr modernes Verfahren nutzt einen bipolaren Hochfrequenzstrom, d.h. der Strom zum Schneiden des Gewebes fließt nicht mehr durch den Körper des Patienten, sondern nur noch durch die Metallschlinge des Operationsintrumentes selbst. Da mit dieser neuen Technik als Spüllösung isotone Kochsalzlösung verwendet werden kann, ist das Risiko des TUR-Syndroms bzw. einer Elektrolytverschiebung minimal. Es lässt sich auch bei Patienten mit Herzerkrankungen, Herzschrittmacher oder anderen Implantaten durchführen. Durch die höhere Arbeitstemperatur der bipolaren Resektionsschlinge entsteht zudem ein orange leuchtendes Plasma um diese herum. Die Schnittfläche wird somit direkt verödet und der Blutverlust minimiert. Die Sicht auf das Operationsgebiet ist daher meist exzellent. Auch bei Patienten mit Drangbeschwerden kommt dieses Verfahren in Frage. Im Vergleich zur monopolaren "Standard"-TUR-P gibt es aber auch ein paar wenige Nachteile. Der Gewebeabtrag pro Zeit ist etwas geringer. Das liegt einerseits an der kleineren Schlinge, sowie andererseits an dem etwas langsameren Schneiden im Gewebe. Die Obergrenze dieses OP-Verfahrens liegt daher bei ca. 60 ccm Prostatavolumen.

Bipolare Plasma-Vaporisation der Prostata
Dieses Verfahren nutzt die selbe, moderne Instrumententechnik wie die bipolare Plasma-TUR-Prostata. Anstatt einer Schlinge wird jedoch eine pilzförmige Elektrode verwendet. Durch das ebenso zündende heiße Plasma um die Elektrode herum, lässt sich das Prostatagewebe gezielt mit Gewebekontakt einfach verdampfen. Auch hierbei kann isotonische Kochsalzlösung verwendet werden. Die Vorteile liegen auf der Hand: praktisch ebenso geringer Blutverlust wie bei einer Prostata-Laserung bei besseren Sichtbedingungen. Durch den direkten Gewebekontakt ist ein sehr genaues Arbeiten möglich. Es kann z.B. auch problemlos ein in die Blase ragender Mittellappen entfernt werden. Die Nachteile sind auch hier der etwas geringere Gewebeabtrag pro Zeit, sowie der Verlust des Prostatagewebes. Da dieses verdampft wird, gibt es keine "Resektionsspäne" die unter dem Mikroskop untersucht werden könnten. Die beiden bipolaren Behandlungsmethoden lassen sich aber hervorragend kombinieren: zunächst erfolgt das rasche Abtragen der oberen Schichten mit der Schlinge und Gewinnung von Resektatspänen, danach erfolgt die Glättung und Blutstillung der Prostataloge mit der Pilzelektrode. Auch hier liegt die Obergrenze dieses OP-Verfahrens bei ca. 60 ccm Prostatavolumen.

Greenlight Laser / Laservaporisation der Prostata
Diese Technik nutzt ähnliche Instrumente wie die oben aufgeführten Verfahren. Es wird somit auch durch die Harnröhre operiert. Mit Hilfe eines grünen Laserstrahls (532 Nanometer Wellenlänge), der das Instrument seitlich verlässt, kann das Prostatagewebe einfach verdampft werden (Vaporisation). Der größte Vorteil liegt im äußerst geringen Blutverlust und in der Option notwendige Mittel zur Blutverdünnung nicht oder zumindest nicht längerfristig pausieren zu müssen (Risikopatienten, z.B. mit Herzkranzgefäßerkrankungen). Als Spüllösung kommt ebenso unkritische isotonische Kochsalzlösung zur Anwendung. Wegen der geringen Nachblutungstendenz ist die Entfernung des Katheters meist nach ein bis zwei Tagen möglich. Allerdings gibt es auch Nachteile dieses sehr schonenden Verfahrens. Das Gewebe wird verdampft und kann nicht histologisch untersucht werden. Häufig sind in der Anfangsphase Drangbeschwerden zu erwarten, Patienten mit schon bestehenden Drangbeschwerden sollten daher eher mit einem anderen o.g. Verfahren behandelt werden. Durch den fehlenden Gewebekontakt ist es schwieriger bzw. nicht möglich in die Blase ragendes Gewebe sicher abzutragen (Risiko der Verletzung der Harnleiteröffnungen bei großem Prostatamittellappen). Da der Laser "blutleeres" Bindegewebe nicht gut abtragen kann, sind die Risiken einer Infektion bzw. eines Verklebens der nicht ganz glatten Abtragungsflächen etwas erhöht. Der Patient sollte daher zur Sicherheit über ca. 10-14 Tage nach dem Eingriff ein Antibiotikum weiter einnehmen.
Die Geschwindigkeit des Gewebeabtrages liegt in etwa gleichauf mit den bipolaren OP-Techniken. Die Obergrenze dieses OP-Verfahrens liegt somit ebenso bei ca. 60 ccm Prostatavolumen.

Transvesikale Prostataadenomektomie
Liegt das Prostatavolumen deutlich über 90 - 100 ccm Volumen, empfehlen wir eine offen chirurgische Entfernung des einengenden, inneren Prostatagewebes. Über einen Schnitt im Unterbauchbereich wird die Blase und Prostatakapsel eröffnet und das Prostatagewebe entlang der Organkapsel manuell entfernt. Die Blase und die Bauchdecke werden natürlich über Nähte bzw. Klammern wieder verschlossen. Die eigentliche Bauchhöhle (das sogenannte Bauchfell / Peritoneum) in der die inneren Organe wie Darm, Leber, etc. geschützt liegen, wird bei dieser Operation nicht eröffnet. Der Vorteil liegt in dem nahezu kompletten Gewebeabtrag unabhängig von der Größe, allerdings sollten die üblichen Vorsorgeuntersuchungen weiterhin durchgeführt werden, da die Prostataorgankapsel im Körper verbleibt. Würde man die stark vergrößerte Prostata mit einer Orange vergleichen, so wird bei dieser Operation das "Fruchtfleisch" entfernt, die Schale verbleibt an Ort und Stelle. Die Nachteile sind im höheren Blutverlust, dem deutlich längeren stationären Aufenthalt (ca. 10-14 Tage) und in den entsprechend größeren OP- und Narkoserisiken zu sehen. Bei ausreichend guter Herz- und Lungenfunktion gibt es aber auch für diesen Eingriff keine festgelegte Altersgrenze. Die vergleichsweise stärkeren Schmerzen werden bei Eingriffen dieser Art heutzutage mit Hilfe einer gleichmäßig arbeitenden Schmerzpumpe problemlos behandelt - eine Schmerzfreiheit kann damit nahezu garantiert werden.

Urologix T3-Thermotherapie
Ein äußerst schonendes Verfahren ist die so genannte Thermotherapie: durch Erhitzung des vergrößerten Prostatagewebes mittels Mikrowellenstrahlung schrumpft dieses nach einiger Zeit und gibt den Weg zum Wasserlassen wieder frei. Über einen Katheter, der in die Harnblase eingelegt wird, und einen Temperatursensor, der in den Enddarm eingeführt wird, steuert ein Behandlungscomputer die Thermotherapie über 60-90 min Behandlungsdauer nahezu vollautomatisch unter ärztlicher Aufsicht. Die Vorteile liegen in der geringen Invasivität: nahezu kein Blutverlust, wenig schmerzhaftes Verfahren - somit keine Narkose notwendig, kurzer Klinikaufenthalt. Die Nachteile grenzen jedoch die dafür in Frage kommenden Patienten stark ein: zunächst Anschwellen des Prostatagewebes mit verlängerter Katheternotwendigkeit, geringer Gewebeabtrag und somit weniger effektiv im Vergleich zu den anderen o.g. Verfahren, höheres Risiko der erneuten Einengung im zeitlichen Verlauf, die Effektivität sinkt bei höherem Prostatavolumen.. Empfehlenswert ist dieses Verfahren somit für Patienten die sehr hohe Narkoserisiken haben, aber nicht dauerhaft mit einer Katheterableitung leben möchten.

Alle hier aufgeführten Operationsverfahren bieten somit ein unterschiedliches Spektrum an Vor- und Nachteilen. Vor einer geplanten Operation beraten wir sie natürlich gern, welcher Eingriff für Sie individuell am besten geeignet ist. Die wichtigsten Entscheidungskriterien sind Prostatavolumen, PSA-Wert, Alter und Art der Beschwerden in Ihrem Fall (IPSS-Score s.o.), sowie evtl. Voroperationen am Harntrakt.

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