Gynäkologie

Beckenboden

Viele Frauen leiden mit zunehmendem Alter an einer Schwäche des Beckenbodens, der im Laufe der Jahre nachgibt. Diese Schwäche kann sich unterschiedlich bemerkbar machen.

Einige Frauen spüren einen Druck in der Scheide, da sich die Gebärmutter oder die Scheide absenken. Diese sogenannte Senkung kann operativ behoben werden. Fragen zu diesem Thema können Sie hier nachlesen. 

Andere Frauen leiden unter einer Harninkontinenz. Manche verlieren Urin beim Husten, Lachen oder Niesen, manche auch ohne einen Anlass. Mehr zum Thema Harninkontinenz und ihre Therapie können Sie hier nachlesen.

Seit einigen Jahren stehen dank der Entwicklung innovativer Materialien und Techniken neue Operationstechniken zur Verfügung, die mit einem minimalen Aufwand einen maximalen Effekt erzielen können. Die Einlage von Bändern und Netzen unterhalb der Harnröhre und der Harnblase können Senkungen beheben und gleichzeitig den Blasenverschluß gewährleisten.

Selbstverständlich bieten wir im Salem diese neuen Techniken an. Wir sind anerkannte Beratungsstelle der deutschen Kontinenz gesellschaft (DKG)Lassen Sie sich bei uns beraten! (Tel. 06221 - 483 208)

Unter Senkung versteht man ein Tiefertreten und Absenken der Gebärmutter (Descensus uteri) und/ oder der Scheide (Descensus vaginae). Dabei gibt es unterschiedliche Ausprägungsgrade der Senkung. Zum Beispiel beim Pressen, bei körperlicher Belastung oder auch in Ruhe kommt es zum Teil-Vorfall (Partialprolaps) oder sogar zum vollständigen Vorfall (Totalprolaps), also zum Hervortreten der Beckenorgane (Blase, Darm und Gebärmutter) bis vor die Scheidenöffnung. Bei der Scheidensenkung, die auch nach Entfernung der Gebärmutter auftreten kann, unterscheidet man zwischen einer Senkung der vorderen und der hinteren Scheidenwand (Descensus vaginae anterior und Descensus vaginae posterior) oder des Scheidenendes. Bei der Senkung der vorderen Scheidenwand kann sich dahinter auch der Blasenboden herabsenken, wobei sich die Blase in oder sogar ganz aus der Scheide wölben kann (Cystocele). Bei der Senkung der hinteren Scheidenwand wölben sich Teile des Enddarms in die Scheide hervor (Rectocele). Stülpen sich Anteile des Dünndarms hervor, spricht man von einer so genannten Enterocele. 

Die häufigste Ursache für die Senkung ist eine in der Regel angeborenen Schwäche des Bindegewebe in Kombination mit Überlastung des Beckenbodens. Dieser  bildet den unteren Abschluss des Bauchraumes. Der Beckenboden besteht aus mehreren Etagen von Muskeln und Bindegewebsschichten, die hängemattenartig im knöchernen kleinen Becken verankert sind. Bei der Frau gibt es natürliche Aussparungen im Beckenboden für den Austritt der Harnröhre, der Scheide und des Enddarms.

Bei einer Beckenbodenschwäche kann es insbesondere im Bereich dieser Aussparungen zum Senken und Hervorwölben der entsprechenden Organe unterhalb der Beckenbodenebene kommen. Risikofaktoren für eine Beckenbodenschwäche sind:

  • angeborene und erworbene Bindegewebsschwäche, zum Beispiel gleichzeitiges Vorhandensein von Krampfadern (Varikosis)
  • Übergewicht
  • eine Überdehnung der Muskelanteile infolge von rasch aufeinander folgenden Geburten oder durch Geburten von schweren Kindern.
  • Geburtsverletzungen durch schwere Geburten
  • körperliche Überlastung (schwere körperliche Arbeit, schweres Heben, chronischer Husten) insbesondere auch während der Wochenbettperiode 

Zu den typischen Senkungsbeschwerden gehören ein "Druckgefühl" nach unten und ein Fremdkörpergefühl in der Scheide.  Einige Frauen leiden unter diffusen Unterbauchschmerzen oder geben möglicherweise auch Schmerzen im Rücken ("Kreuzschmerzen") an. Obstipation ist ebenfalls ein häufiges Symptom unter dem Patientinnen leiden.

Ebenfalls häufig gehen Senkungserscheinungen mit Blasenbeschwerden einher. Diese drücken sich bei zirka 50 Prozent der Patientinnen in einem unwillkürlichen Urinverlust (Inkontinenz) aus. Bei anderen kommt es zu einer Blasenentleerungsstörung bis hin zum Harnverhalt. Die vermehrte Restharnbildung birgt die Gefahr von häufigen Harnwegsinfektionen. Seltener tritt eine Stuhlinkontinenz auf.

Wenn es zum Gebärmuttervorfall kommt, können Druckgeschwüre mit Blutungen oder vermehrtem Ausfluß auftreten.

Insbesondere im Wochenbett sollte eine gezielte und geschulte Anleitung zu Beckenbodenübungen erfolgen, die die Frau zu Hause unbedingt weiterführen sollte. In der Folgezeit gilt es, zu schweres Heben und zu schwere körperliche Arbeit zu vermeiden. Besonders wichtig ist es, Übergewicht zu vermeiden! 

Bei der Behandlung der "Senkung" unterscheidet man zwischen konservativen und operativen Therapiemöglichkeiten. Die Wahl des jeweiligen Therapieverfahrens hängt sehr vom Ausprägungsgrad der Senkung, der Symptomatik und dem Leidensdruck der Patientin ab. Bevor eine operative Therapie in Betracht gezogen wird, sollten in der Regel möglichst die konservativen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft werden.

Das Beckenbodentraining kann mit Hilfe von Broschüren selbst oder gezielt durch eine krankengymnastische Anleitung erlernt werden. Wichtig für den Erfolg des Trainings ist ein konsequentes und tägliches Üben. Als Unterstützung werden auch unterschiedliche Elektrostimulationsgeräte angeboten. Die Frau führt sich eine Vaginal- oder Rektalsonde in die Scheide oder den Enddarm ein, die Elektrostimulationsimpulse unterschiedlicher Frequenzen an die Beckenbodenmuskulatur liefert, um ein Zusammenziehen (Kontraktion) der Muskulatur auszulösen und sie so zu trainieren. Außerdem gibt es so genannte Biofeedback-Geräte, bei denen die Frau selbst den Erfolg der aktiven Beckenbodenanspannung ablesen kann. Wenn eine medizinische Indikation vorliegt, können diese Hilfsmittel vom Arzt auf Rezept verordnet werden.

Darüberhinaus gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die beim Vorliegen einer Senkung oder bei einem Vorfall symptomatisch angewendet werden können. Es gibt zum Beispiel Ring- oder Würfelpessare, die vom Arzt angepasst werden sollten.

Generell ist es wichtig, auf eine ausreichende Versorgung der Scheide mit weiblichen Hormonen (Östrogenen) zu achten. Insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren, die keine Hormone einnehmen, kommt es durch den Hormonmangel im Bereich der Harn- und Geschlechtsorgane (Uro-Genitalbereich) zu einer Austrocknung (Atrophie) des Gewebes. Häufige Begleiterscheinungen sind hierbei Scheiden- oder Blaseninfektionen, Juckreiz und Zeichen der verminderten Durchblutung mit Elastizitätsverminderung des Gewebes. Falls keine medizinischen Einwände bestehen, sollte man diesen Frauen zu einer Hormonersatztherapie raten, oder zumindest in der Scheide den Östrogenmangel durch Scheidenzäpfchen oder -salbe behandeln.

Bringen die konservativen Therapieverfahren keine Besserung der Symptomatik, kann der Frau bei entsprechendem Leidensdruck auch zu einer Senkungs-Operation (Descensus-Operation) geraten werden.

Das jeweilige Operationsverfahren richtet sich danach, welches Organ sich gesenkt hat und nach dem Ausmaß der Senkung. Es gibt Operationen, die von der Scheide aus durchgeführt werden können. Dazu gehört die vordere oder die hintere Scheidenraffung (Kolporraphie) evtl. in Kombination mit einer Gebärmutterentfernung. Bei besonders schweren Ausprägungen oder der Wiederkehr einer Senkung kann der Beckenboden zusätzlich durch ein Netz (MESH) verstärkt werden.

Andere Operationen müssen von einem Bauchschnitt aus erfolgen. Dazu gehören die Entfernung einer großen Gebärmutter, die seitliche oder hintere Fixierung der Scheide oder des Scheidenstumpfes zum Beispiel an einem Band oder Bändern des Beckenknochens, die Behebung eines Dünndarmvorfalls etc.

Falls die Senkung mit einer Harninkontinenz einhergeht, oder wenn eine Senkung eine Inkontinenz kaschiert (so genannte larvierte Streßinkontinenz), die Inkontinenz also erst in Erscheinung tritt, wenn man die Senkung behebt, kann neben der Senkungs-Operation auch eine Inkontinenz-Operation erforderlich sein. Um die richtige Indikation für das entsprechende Operationsverfahren stellen zu können, ist es meist sinnvoll, vor der Operation eine spezielle Blasendruckmessung (Urodynamik) durchführen zu lassen.

Wie häufig tritt Harninkontinenz auf?

Als Harninkontinenz (Blasenschwäche) bezeichnet man jeden unkontrollierten Urinverlust. Das Auftreten liegt je nach Altersgruppe bei Frauen zwischen sieben und 42 Prozent. Dies ist altersabhängig und steigt mit dem Lebensalter an. Aktuell leiden zirka 28 Prozent aller Frauen an Harninkontinenz, im Jahre 2030 werden es aufgrund des zunehmenden Anteils alter Menschen in der Bevölkerung zirka 35 Prozent sein. Man geht von einer hohen Dunkelziffer aus, da die Frauen das Problem oft beim Gespräch mit dem Arzt verschweigen.

Welche Ursachen für Harninkontinenz gibt es?

Risikofaktoren für das Auftreten einer Harninkontinenz sind eine physische Überforderung des Beckenbodens wie zum Beispiel bei Übergewicht oder schwerer beruflicher körperlicher Anstrengung. Zusätzliche Risikofaktoren sind eine Bindegewebsschwäche sowie der Zustand nach mehreren Geburten, vor allem, wenn es zu Geburtsverletzungen kam.

Welche Formen der Harninkontinenz gibt es?

Die häufigste Form der Blasenschwäche ist die Belastungsinkontinenz, bei der ei Harnverlust zum Beispiel beim Husten, Lachen, Pressen, Heben auftritt. Dies ist auch die häufigste Form der Blasenschwäche bei Frauen. Die zweithäufigste Form ist die so genannte Dranginkontinenz (Urge-Inkontinenz), wobei der Harnverlust mit plötzlich verspürtem krampfartigem Harndrang auftritt. Daneben gibt es bei Frauen seltene Formen wie zum Beispiel die Reflexinkontinenz, die Überlaufblase oder die absolute Harninkontinenz bei Fisteln.

Welche Untersuchungen sind bei Harninkontinenz wichtig?

Der behandende Arzt sollte sich zunächst genau nach den Beschwerden erkundigen und eine genaue Anamnese erheben. Der Frauenarzt wird eine gynäkologische Untersuchung durchführen. Dabei stellt er fest, ob zusätzlich eine Senkung vorliegt und kann mittels eines Hustentestes überprüfen, ob bei Ihnen eine Belastungsinkontinenz vorliegt. In einigen Fällen und vor Operationen wird eine Blasendruckmessung erfolgen. Bei dieser Untersuchung stellt man fest, um welche Form der Blasenschwäche es sich handelt.

Welche Therapie kann bei Harninkontinenz durchgeführt werden?

Bei Stressharninkontinenz: Die konservative Therapie ist identisch mit derjenigen bei Senkungsbeschwerden:  Übergewichtige Frauen sollten abnehmen. Beckenbodengymnastik ist ebenso sinnvoll wie die Gabe von lokal applizierten Östrogenen. Die Betroffenen können Beckenbodengymnastik durch Bio-Feedbackgeräte unterstützen. Liegt eine Senkung vor, bietet sich die Einlage von Pessaren an. Gegebenenfalls kann auch eine medikamentöse Therapie durchgeführt werden.

Reichen die konservativen Maßnahmen nicht aus oder liegt eine schwerwiegende Harninkontinenz vor, kann eine operative Therapie empfohlen werden. Hierbei müssen je nach gynäkologischem Untersuchungsbefund evtl. Senkungszustände gleichzeitig mit behoben werden. In vielen Fällen reicht auch ein kurzer minimal invasiver Eingriff durch Einlage einer spannungsfreien Vaginalschlinge unter die Harnröhre aus, um die Kontinenz der Harnblase wiederherzustellen.

Bei Dranginkontinenz: Falls eine Blasenentzündung, ein Nierenstein oder eine Tumorerkrankung in der Blase die Ursache für die Dranginkontinenz ist, kann diese nach Gabe von Antibiotika, Entfernung des Nierensteins oder des Tumors gebessert werden. Auch bei dieser Form der Blasenschwäche ist eine Östrogen-Einnahme zu empfehlen. Als medikamentöse Therapie kommen verschiedene Medikamente zum Entkrampfen der Harnblase infrage. Die reine Dranginkontinenz sollte in keinem Fall operativ behandelt werden.

Wie können wir Ihnen am Krankenhaus Salem in Heidelberg helfen?

In unserem Ärzteteam der gynäkologisch-geburtshilflichen Abteilung arbeiten Frauenärzte/ innen mit urogynäkologischem Schwerpunkt. Wenn Sie von Ihrem Frauenarzt zu uns zur Behandlung eingewiesen werden, erfolgen eine sorgfältige Anamnese und eine gynäkologische Untersuchung einschließlich Ultraschall. Ist eine Blasendruckmessung erforderlich, wird diese durch die Fachkollegen der urologischen Abteilung zumeist am selben Tag durchgeführt. Aus den Befunden wird eine individuelle Therapieempfehlung für Sie erstellt und mit Ihnen besprochen.

Eine enge Kooperation besteht mit der Universitätsklinik Heidelberg durch Zusammenarbeit im Beckenboden- und Kontinenzzentrum Rhein-Neckar. Das gewährleistet für Sie ein Versorgungsmaximum auf höchstem medizinischen Niveau.

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